Neuroleptika Trialog

Trialog – Austausch auf Augenhöhe, Teilen der eigenen persönlichen Erfahrung, Begegnung jenseits der Professionen, von Mensch zu Mensch.

Die Frage nach den Medikamenten ist in der Psychiatrie besonders sensibel. Sie ist verbunden mit vielfältigen Motivationen und Interessen. Wir wollen uns dem Thema trialogisch nähern mit dem Fokus auf das Reduzieren und Absetzen von Neuroleptika: Dabei bleiben oder aufhören, warum und wenn wie? Das geht alle an, Betroffene und Fachleute sowie Angehörige.

Die nächsten Termine:
Jeweils donnerstags von 18-19:30 Uhr, normalerweise an der Uni-S,
Schanzeneckstrasse 1, 3012 Bern:

Do. 14.2.2019, Raum A 015, Uni S, Schanzeneckstr. 1, Bern
Do. 28.3.2019, Raum A 015, Uni S, Schanzeneckstr. 1, Bern
Do. 25.4.2019, Ambi Ost, Moserstr. 24, Bern
Do. 23.5.2019, Raum A 015, Uni S, Schanzeneckstr. 1, Bern
Do. 20.6.2019, Raum A 015, Uni S, Schanzeneckstr. 1, Bern
Do. 11.7.2019, Raum A 017, Uni S, Schanzeneckstr. 1, Bern
Do. 19.9.2019, Raum A 015, Uni S, Schanzeneckstr. 1, Bern
Do. 31.10.2019, Raum A 015, Uni S, Schanzeneckstr. 1, Bern
Do. 5.12.2019, Raum A 015, Uni S, Schanzeneckstr. 1, Bern

Die Themen wurden gemeinsam mit den Teilnehmenden beim ersten Treffen am 14. Februar festgelegt und sind hier nachzulesen.
Die Themen des letzten Jahres finden Sie zur Info hier.

Ort
Uni S,  Schanzeneckstrasse 1, 3012 Bern.

Anmeldung
Wir bitten um Anmeldung unter neuroleptika-trialog@gmx.ch.

Verantwortlich
Andrea Zwicknagl, Peer, und Christian Burr, Pflegeexperte, Bern, UPD.

Internationale Studie zum Reduzieren und Absetzen von Neuroleptika
Deutschsprachige Teilnehmende gesucht

Was wäre, wenn psychiatrische Fachpersonen mehr wüssten über die Prozesse des Reduzierens und Absetzens von Neuroleptika, wenn sie aus erster Hand von den Betroffenen erfahren könnten, was geholfen hat, was schwierig war, wie lange es gedauert hat, was sie als Profis unterstützend beitragen könnten. Eine grosse internationale Studie der Universität Maastricht will nun genau das erforschen und sucht Menschen mit Erfahrung beim Absetzen für eine Umfrage – egal ob der Prozess erfolgreich war oder nicht. Studienleiter ist der bekannte amerikanische Aktivist Will Hall. Er hat selbst Erfahrung mit veränderten Bewusstseinszuständen und der Behandlung mit Psychopharmaka. Mit dem „Harm reduction guide to coming off psychiatric drugs and withdrawal“ hat er schon vor Jahren einen in viele Sprachen übersetzten Leitfaden vorgelegt und Menschen rund um die Welt begleitet.

Link zur Studie: www.antipsychoticwithdrawalsurvey.com.

Link zum Flyer.

Was bisher geschah
Wir haben den Trialog am 26. Januar 2017 mit einem halbtägigen Symposium „Neuroleptika reduzieren und absetzen“ begonnen. Der Saal der Villa Stucki war mit 60 Teilnehmenden bis auf den letzten Platz besetzt und noch mehr Leute wollten kommen. Viele Fachleute vor allem aus dem Bereich der Pflege hatten sich interessiert, auch einige ÄrztInnen, etwa 20 Prozent der Teilnehmenden hatten eigene Erfahrung mit der Einnahme von Neuroleptika und nur eine sehr kleine Zahl war angehörig. Darum möchten wir diese Gruppe besonders ermutigen sich für den Trialog zu melden.

Den Anfang machte Dr. Stefan Weinmann mit einem Referat zum Thema „Neurolepitka reduzieren und absetzen – warum und wie?“

Dann folgten trialogische Kleingruppen, wo der Austausch der persönlichen Erfahrungen geübt werden konnte.

Zum Abschluss gab es ein trialogisch besetztes Podiumsgespräch.

Den  Flyer finden Sie hier.

Hier geht es zum Pressebericht über die Veranstaltung.

Weiterführende Informationen

  • Neuroleptika reduzieren und absetzen: Eine Broschüre der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie DGSP für Psychiatrie-Erfahrene, Angehörige und Professionelle aller Berufsgruppen. Die Broschüre stellt sich umfassend allen Fragen rund um das Reduzieren und Absetzen von Neuroleptika. Für den geplanten Neuroleptika-Trialog in Bern werden wir sie als Leitfaden für unseren Austausch verwenden.
  • Neuroleptika minimal – warum und wie: Volkmar Aderhold vom Institut für Sozialpsychiatrie an der Uni Greifswald hat sich als Psychiater intensiv mit der Forschungsliteratur zu Wirkungen und Nebenwirkungen von Neuroleptika befasst. In seiner Metaanalyse fasst er die wesentlichen Ergebnisse zusammen und plädiert für einen minimalen Einsatz dieser Medikamente. Seine Erkenntnisse sind in die Broschüre „Neuroleptika reduzieren und absetzen“ eingeflossen. Aderhold ist Mitglied im Fachausschuss Psychopharmaka der DGSP.
  • Neuroleptika-Debatte der DGSP: Die DGSP stellt sich schon seit vielen Jahren der Diskussion um die Medikation mit Neuroleptika. Verfolgen Sie hier die Debatte.
  • Erfolgsmythos Psychopharmaka: 2008 hat sich der Referent unseres Symposiums Dr. Stefan Weinmann intensiv kritisch mit der Geschichte und Anwendung von Psychopharmaka auseinandergesetzt.
  • Medikamentenbehandlung bei psychischen Störungen – Leitlinien für den psychiatrischen Alltag: Das Buch ist ganz aktuell im Januar 2017 erschienen. Dr Stefan Weinmann hat in Coautorenschaft das Grundlagenwerk von Assmus Finzen komplett überarbeitet und auf den neuesten Stand gebracht. Es liefert eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Stand der Forschung, mit dem was wir wissen und was wir nicht wissen. In Sprache und wissenschaftlicher Grundlegung eignet es sich sowohl für Assistenzärzte in der Ausbildung wie für Pflege und andere Fachleute, genauso wie Angehörige oder Betroffene. Eine ausgezeichnete Basis für die weitere Beschäftigung mit dem Thema.

Englischsprachige Quellen

  • Inner Compass Initiative – The Withdrawal Project: Die US-amerikanische Aktivistin Laura Delano hat im Withdrawal Project die vielfältigen Erfahrungen von Betroffenen gesammelt und systematisch zusammen gestellt. Hier finden sich Informationen zu den verschiedenen Medikamentengruppen, Entzugssymptome und eine Vielzahl von Hinweisen was Menschen geholfen hat.
  • Anatomy of an Epidemic: Der Amerikaner Robert Whitaker hat sich dem Thema Psychopharmaka und vor allem ihrer Langzeitwirkung mit journalistischer Präzision und intensiver Recherche gewidmet. Entstanden ist eine investigative Auseinandersetzung, die Whitaker 2010 als Buch publiziert hat; 2016 ist ein aktualisiertes Update für die Frage nach den Neuroleptika erschienen. Es steht als PDF-Download frei zur Verfügung. Der Blog www.madinamerica.com führt Whitakers Arbeit mit aktuellen Beiträgen von vielen verschiedenen Autoren aus aller Welt fort.
  • The Icarus Project: Das Icarus Projekt ist ein Netzwerk von und für Menschen, die Erfahrungen mit der Welt machen, die vielfach als psychische Krankheit deklariert werden. Es will soziale Gerechtigkeit durch gegenseitige Hilfe fördern, die die Anliegen von individueller Heilung und kollektiver Freiheit miteinander verbindet. Das Leitmotiv ist: „Wir verändern uns, indem wir die Welt um uns herum verändern“. Neben vielen anderen Initiativen hat das Icarus Projekt zusammen mit dem Therapeuten, Autor und Psychiatrie-Erfahrenen Will Hall einen Leitfaden publiziert, der beim Absetzen von Psychopharmaka begleitet: Harm Reduction Guide to Coming Off Psychiatric Drugs and Withdrawal. Er wurde in verschiedene Sprachen übersetzt, unter anderem auch ins Deutsche: Harm Reduction Leitfaden zum risikoarmen Absetzen von Psychopharmaka.